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Zeltbau

Juli 13, 2008 By: Merl Category: Basteleien, Festivals

Schon seit geraumer Zeit trage ich mich mit dem Gedanken, ein größeres Zelt für Festivals, LARP oder Markt zu bauen. Mehr als grobe Skizzen und viel Gerede ist bissher nicht daraus geworden. Die Pläne für unsere größeren Zelte für den Markt bleiben auch erstmal in der Schublade.

Allerdings hatte Sven auf dem Queens of Metal ein großes Rundspitzzelt (es sieht für den Laien aus wie ein Tippi, bzw ein Alexzelt ohne den geraden Teil) dabei. Es stellte sich heraus, dass er dieses Zelt selbst gebaut hatte. Dadurch an meine alten Pläne erinnert reifte in mir der Entschluß, nun doch endlich auch mal loszulegen. Inspiriert durch Svens Zelt und mit einigen Tips von ihm bewaffnet bestellte ich mir also den Stoff.

Doch zunächst einmal zu den technischen Daten:

  • Stoff: Segeltuch, 360g, 1,60m breit, 40m lang, in 6 5,50m Bahnen, die restlichen 7m sind für die Schürze und Kleinzeug
  • Umfang: ~ 28,8m
  • Durchmesser: ~ 5,74m
  • Fläche: ~ 25m²
  • Höhe: ~ 4,69m
  • Heringe: 24 50cm Alu-T-Profile, 25x25x3mm
  • Mittelstange: Alu-Rohr, Ø 29mm
  • Gurtband: ~ 15m
  • Reisverschluß: 2,40m
  • Reisverschluß: 1,60m
  • Gewebeummantelter Gummi

Das Zelt wird aus Segeltuch gefertigt, ich habe mich für 360g schweres Tuch mit 1,60m breite entschieden. Um die gewünschte Fläche zu erhalten (das Zelt soll keine Hundehütte werden) benötige ich 12 Dreiecke, sprich 6 Bahnen der Länge 5,50m, die schräg geteilt werden.

Das Segeltuch habe ich auf Ebay bestellt, 2,90 €/m sind bezahlbar. Auf 40m umgerechnet sind das 121 €.

Nachdem das Tuch endlich da war, teilte ich es im Garten direkt in 5,50m lange Streifen. Die Arbeit war leichter als erwartet. Einfach das Maßband mit einem Schraubendreher in der Erde festgeklemmt, 5,50m abgemessen, 2ter Schraubendrher als Markierung in der Erde und die Bahnen sorgfältig übereinander gelegt. Nach sorgfältiger Kontrolle das auch alle Bahnen gleich lang sind wurden diese an den Knicken zerteilt. An dieser Stelle für den Nachbau der Hinweis: Lieber 4 mal Kontrollieren als einmal verschneiden, an dieser Stelle ein falscher Schnitt kann zu viel Frust führen. Bei mir ging zum Glück alles sofort gut, bereits hier merkte ich das Segeltuch ein sehr dankbarer Stoff in der Verarbeitung ist, macht kaum Zicken und fast immer das was man will.

Nach dem Teilen wurden die Bahnen zusammengelegt und zusammen mit dem verblieben Ballen wieder in die Wohnung transferiert. Die ersten 2 Bahnen kamen auch direkt in die Waschmaschine, da das Tuch die eigenschaft hat, sich wenn es zum erstenmal Nass wird zu verziehen. Das ist eine durchaus gewollte Eigenschaft des Segeltuchs, durch das Aufquellen der Baumwolle sollte das Zelt auch ohne Imprägnieren bei Regen und Nässe dicht sein.

Durch das hohe Gewicht und Volumen der Bahnen lassen sich in meiner Maschine leider nur 2 Bahnen auf einmal waschen. Zum trocknen bastelte ich mir aus zufällig noch von meinem Degukäfigumbauprojekt vorhandener Estrichmatten eine kleine Konstruktion an den Balkon und lies die Bahnen noch ein Stück vom Balkon hängen. Auch hier war ich wieder überrascht wie reibungslos bis dahin alles lief.

Nach dem Trocken ging es ans Bügeln. Der Stoff neigt dazu in der Waschmaschine zu verknittern, was wohl auch mit dem Aufquellen und zusammenziehen bei Nässe zusammenhängt. Ungebügelt sollte man den Stoff so lieber nicht weiterverarbeiten, macht sicher keine Freude und mit Maßen haut da auch kaum noch was hin.

Das Bügeln zieht sich ziemlich, eine kleine Rechenübung wärend dem Bügeln ergab: 52,8m² an Stoff sind zu bewältigen. Hätte ich den Fußboden meiner Wohnung gebügelt wärs ungefähr genausoviel gewesen. Nach dem Bügeln tut einem sehr wahrscheinlich auch die Hand weh, selbst wenn man sich nicht verbrennt; mir gings jedenfalls so.

Nachdem der Stoff -endlich – gebügelt war, wollte ich natürlich sofort zum nächsten Schritt übergehen: dem Teilen in Dreiecke. Vorher aber ein kurzer Einschub:

Mittelstange und Heringe: Bereits bevor der Stoff ankam, war ich im Baumarkt und hatte mir 2 2,50m Alurohre mit 29mm Durchmesser und eines 1m mit dem Innendurchmesser der Langen als Außendurchmesser. Glücklicherweise habe ich die T-Profile für die Heringe dort nicht bekommen. Weshalb? Ganz einfach, die Stangen haben mich, mit Schrauben ca. 60,00 € gekostet, für die T-Profile habe ich dank Svens Tipp mit Metaleinkauf.com 2 x 6m für 30,00€ bekommen. Die Stange wäre vermutlich ähnlich preislich gekommen hätte ich sie dort bestellt.

Wie bereits erwähnt, habe ich die T-Profile nachdem ich von Sven den Tipp bekommen habe bei Metalleinkauf.com bestellt. Die Metalleinkauf Nürnberg eG befindet sich in Langwasser, nahe des Südklinikums. Ein kurzer Anruf reichte schon für die Bestellung. Eine Woche hatte ich gerechnet, bereits nach 2 Tagen bekam ich den Anruf das die Profile da sind, erfreulich schnell. Netterweise bekam ich von meinem SV sogar noch am selben Tag den Nachmittag frei, denn der Metalleinkauf hat leider recht unmögliche Öffnungszeiten: Mo – Do 8.00 – 16.30, Fr 8.00 – 13.00 Uhr oder so ähnlich. Also auf von der Arbeit, Zuhause umziehen und weiter nach Langwasser. Die T-Profile konnte ich dort auch direkt mit der großen Industriesäge in 50cm lange Stücke Teilen, so konnte ich die Teile auch ganz bequem im Rucksack mit nach Hause tragen.

 Zuück von unserer kleinen Exkursion: die Profile sind schon einige Tage da und warten auf weitere Bearbeitung, der Stoff ist endlich zuende gebügelt und ich mache mich daran, die Bahnen diagonal zu teilen. Super vom Timing, grad als ich rauswollte, ging ein Gewitter los. Nach dem Gewitter entschloss ich mich, die Bahnen auf dem halbwegs getrockneteten, sprich nurnoch halbwegs feuchten Pflaster vor den Garagen zu zerteilen. Die Blicke der Menschen die da im Auto offenbar auf ihre Töchter gewartet haben waren jedenfalls göttlich, sah nicht so aus als könnten die sich erklären, was ich da genau vorstelle.

Um die Bahnen ordentlich zu zerteilen verwendete ich 2 schrauben und eine Schnur, die ich zwischen den Fugen der Pflastersteine spannte, insofern war das Gewitter ein Glücksfall, da mein ursprünglicher Plan auf dem Rasen stattfinden sollte, was bei näherer Überlegung eine ziemlich blöde Idee gewesen wäre, schließlich sollte der Strich und anschließende Schnitt ja gerade sein. Auch hier kam wieder die Überraschung, das das Markieren und Zerschneiden der Bahnen sehr viel weniger Probleme machte als befürchtet.

Nach 2 Stunden war ich dann endlich soweit, die Dreiecke waren zusammengelegt und wieder in der Wohnung, endlich gings ans Nähen. Abgesehen vom Zeitaufwand war das Nähen ebenfalls weniger schwer wie erwartet. Zunächt habe ich 2 Bahnen mit den gleichlangen Seiten aufeinander gelegt und die beiden Teile zusammengenäht, danach das ganze 2 mal umgeschlagen und noch 2 mal vernäht, so entsteht eine doppelt verstärkte Naht, bei der die Bahnen sich gegenseitig festhalten. [Hier folgtn och eine Zeichnung] Nach kurzer Einarbeitung braucht man pro Bahn ca. 45min.

Die letzte Hürde ist das zusammenfügen der ersten und der letzten Bahn, wodurch ein Kegel aus den Stoffbahnen entsteht. Da meine Reisverschlüsse leider nicht lieferbar waren, konnte ich diese nicht direkt mit einnähen, was die ganze sache vermutlich vereinfacht hätte. Notgedrungen mußte es eben ohne gehen:

Zunächst habe ich die Kanten der Bahnen doppelt vernäht, da der Reisverschluß verdeckt liegen soll kann hier nicht mit der selben technik gearbeitet werden wie beim Rest. Nach dem Umnähen habe ich die Bahnen übereinander gelegt, hierbei fällt auf, das durch das umnähen ein gewisser Längenunterschied zwischen erster und letzter Bahn entstanden ist, dies ist allerdings nicht so schlimm, da die Spitze ohnehin später noch abgetrennt und durch Gurtbnder ersetzt wird. Also einfach von der unteren Kante angesetzt, die Bahen ca 5cm übereinander, bis zur Höhe des späteren Eingangs (Reisverschlußlänge + Bodenteil + Nahtzugabe) mit Sicherheitsnadeln abgestekt und dann von beiden Seiten jeweils vernäht.

Das Resultat ist ein Kegel, bzw Trichter der oben an der Spitze wegen der genannten verschiebung der Längen nicht ganz zu ist. Als nächstes werde ich unten am Eingang noch einen ca 10cm hohen Streifen einsetzen, damit das Zelt richtig gespannt werden kann. Danach wird der untere Saum vernäht. Morgen bekomme ich die Gurtbänder, sobald die da sind kann auch die Spitze abgeschnitten und versäubert werden. Daran werden die Bänder angesetzt und mit den Verschlußklappen versehen. Freitag soll der Reisverschluß kommen. In der Zwischenzeit werde ich noch die Heringe mit Bohrungen und Spitzen versehen, sowie die Mittelstange fertigen.

Wenn alles gut geht, steht das Zelt nächstes Wochenende.

Preisliste:

  • Segeltuch: 40m 121,00 €
  • Garn: 1000m 5,00 €
  • Mittelstange: 2 2,50m Rohre, 1 1m Rohr, Schrauben und Gewindestange: 60,00 € (wäre für ca die Hälfte zu bekommen gewesen)
  • Heringe: 2 x 6m Alu-T-Profil: 30,00 €
  • Gurtband: ~ 0,20 €/m -> ~ 3,00 €
  • Gewebegummi: ?

Arbeitszeit:

  • Tuch in Bahnen schneiden: ~ 1h
  • Tuch Waschen & Bügeln: 2 – 3 Tage, Man kann gut 1h pro Bahn fürs Bügeln Rechnen
  • Heringe: 30 – 45min zum Zerteilen mit der Maschine
  • Tuch diagonal Teilen: 2h
  • Tuchdreiecke vernähen: 45min/Bahn -> 9h
  • Letzte naht zum Kegel: ~ 1h

1 Comments to “Zeltbau”


  1. Hi,

    jaa wochenlang redet mein Arbeitskollege über nichts anderes mehr, als über Zeltbau.

    Du hast es also doch endlich fertig bekommen, ich vermute zwar immer noch, dass es den ersten Einsatz auf Wacken nicht überlebt …..

    Gruss
    Alex

    P.S. wo ist das Foto – wo ich dir bei Bau helfe??? Ich hab immerhin eine ganze Schlaufe geknotet *g*

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